Wenn Probleme im Leben auftreten, neigen wir dazu Gottes Liebe zu hinterfragen oder zu denken, dass Gott gegen uns ist oder dass er uns sogar verlassen hat. Das Problem wird dadurch noch größer: Denn gerade dann, wenn wir Hoffnung am meisten nötig haben, bricht so auch noch die letzte, größte Hoffnung weg. Kann es sein, dass Gott aber eine andere Perspektive auf diese Dinge hat? In Psalm 119,75 steht:
HERR, ich weiß, dass deine Urteile gerecht sind; in deiner Treue hast du mich gedemütigt.
Warum ist es ein Zeichen für Gottes Treue, wenn er uns demütigt? Das scheint mir eine andere Perspektive zu sein – und sie gibt mir große Hoffnung. Wenn Gott mich demütigt, dann ist es ein Zeichen seiner Treue – und nicht, dass er gegen mich ist oder mich nicht liebt. Aber warum? Nur ein paar Verse zuvor steht (Psalm 119,67):
Ehe ich gedemütigt wurde, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.
Hier liegt der Grund, warum der Psalmbeter von Gott gedemütigt wird: Er ist auf einem Irrweg. Er bewegt sich weg von Gott. Er hält anscheinend nicht sein Wort. Anders ausgedrückt: Er hat gesündigt. Es ist Gottes Treue, wenn Gott ihn demütigt und Probleme in seinem Leben zulässt, um ihn von diesem Irrweg wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Vielleicht mag das zunächst schmerzhaft sein, aber der Schmerz würde irgendwann größer sein, wenn Gott nicht eingreifen würde, sondern ihn einfach laufen lässt. Der Psalmbeter selbst sagt:
Es ist gut für mich, dass du mich gedemütigt hast, damit ich deine Gebote lerne.
Letztlich führt uns das zu Gottes Gnade. Der Psalmbeter sagt (Psalm 119,76):
Deine Gnade soll mein Trost sein, wie du deinem Knecht zugesagt hast.
Warum ist es Gottes Treue, wenn er uns demütigt? Weil es manchmal der einzige Weg ist, um uns von Irrwegen wieder zurück zu ihm zu bringen. Es ist Treue und Liebe, dass er uns nicht ins Verderben laufen lässt. Auch wenn die Korrektur manchmal schmerzhaft ist, soll sie uns dahin führen, in seiner Gnade unseren Trost zu finden. Wir können nicht absehen, wie viel Schmerz die Wege mit sich bringen, die wir selbst wählen und wo sie letztlich hinführen. Aber Gott sieht es. Ich bin dankbar und es gibt mir Hoffnung, dass Gott treu ist, auch dann wenn er einen sanften Schmerz in mein Leben bringt, denn ich glaube, er wird mich vor Irrwegen und größerem Schmerz bewahren und mich dahin führen, in seiner Gnade seinen Trost zu suchen. Gottes Gnade ist unsere Rettung und er will uns zur ewigen Freude führen.